Ein Buch

Von habeebee. Abgelegt unter Update  |   
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In den letzten Tagen hat mich ein Buch der Marokkanerin Malika Oufkir sehr gefesselt und berührt.

Malika Oufkir ist als erste Tochter einer wohlhabenden marokkanischen Familie geboren worden. Ihr Vater war in Marokko Innenminister und Verteidigungsminister. Die Familie pflegte engen Kontakt mit der Königsfamilie. 1957 wurde Malika vom damaligen König als Spielgefährtin seiner Tochter adoptiert und lebte bis zu ihrem 16. Lebensjahr ebenfalls das Leben einer Prinzessin mit nur wenig Kontakt zur leiblichen Familie.

Mit 16 Jahren setzte sie durch, zu ihrer Familie zurückkehren zu dürfen.

Als sie ca. 18 Jahre war, wurde ihr Vater nach einem zweiten Putschversuch auf König Hassan II. exekutiert und die Familie (Malika, ihre Mutter und Malikas 5 Geschwister) nach kurzer Zeit erst unter Hausarrest gestellt und später in der Wüste unter unmenschlichen Bedingungen gefangen gehalten.

Malikas jüngster Bruder war zu Beginn der Haft erst 3 Jahre.

Ca. 15 Jahre lebte und litt diese Familie. Sie bekamen phasenweise wenig oder nur sehr schlechte Nahrung (teils verschimmelt usw), hatten keine medizinische Versorgung, wurden phasenweise sogar getrennt.

Dann gelingt 4 Mitgliedern der Familie die Flucht und sie schaffen es, Öffentlichkeit herzustellen. Alte Freunde lassen sie fallen und neben ihrer Angst vor Verfolgern, Angst in dieser völlig neuen und gänzlichen anderen Welt, musste sie dann noch tiefe menschliche Enttäuschungen erleben.

Nach 4 Tagen werden sie wieder gefangen genommen und mit der restlichen Familie dann noch für 5 Jahre unter insgesamt sehr guten Verhältnissen weiter gefangen gehalten. Dann werden sie freigelassen, dürfen aber erst nicht ausreisen und das Leben wird ihnen noch weitere 5 Jahre schwer gemacht, bis eine Schwester fliehen kann und unter dem öffentlichen Druck dann alle eine Ausreisegenehmigung erhalten.

Wie diese Familie die langen Jahre durchgestanden hat, kann man gar nicht erfassen! Mit welchen Ideen sie immer weiter den Mut fanden, sich selbst nicht aufzugeben, ist enorm und bewegt zutiefst.

Mich treiben die Gedanken um, wie es dazu kommen kann, dass Menschen sich so verhalten, wie z.B: der König oder auch seine Gefolgsleute?! Wie kann man einem Lebewesen solches Leid antun, über viele Jahre? Welche Gedanken gehen solchen Menschen durch den Kopf? Bedauern sie ihr Tun und können sich nur nicht zu einem ersten Schritt durchringen? Oder sind sie von Hass verfolgt?

Aber wenn sie hassen……..warum die Familie? Wie kommt man auf den Gedanken, eine ganze Familie für das Handeln des Vaters zu bestrafen? Und dann auch noch kleine Kinder!

 

Man fragt sich auch, warum die Öffentlichkeit nicht reagiert hat. Aber ich glaube, das ist heute nicht anders.  Jeder fürchtet um sich selbst, um sein eigenes Hab und Gut, um sein eigenes Wohlergehen und will nichts aufs Spiel setzen. Wobei das natürlich auch noch eine ganz andere Zeit und auch eine andere Mentalität war.

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